KI-Betrug · Sek II (11–13) · Mittlere Priorität
ChatGPT-Facharbeit: Wie eine Schule Prüfungsbetrug feststellte — und fair reagierte
Eine 11. Klasse gibt Facharbeiten ab. Vier fallen durch untypischen Stil auf. Wie wird der Verdacht überprüft und wie geht die Schule fair damit um?
Chronologie
- Tag 0Deutschlehrkraft bemerkt bei 4 Arbeiten Formulierungen, die stark von der bekannten Ausdrucksweise abweichen.
- Tag 2Fachschaft berät gemeinsam, GPTZero/Turnitin liefern hohes KI-Signal, sind aber nicht rechtssicher.
- Tag 5Mündliche Nachprüfung mit 3 Fragen zum Inhalt der eigenen Arbeit — 3 von 4 scheitern deutlich.
- Tag 6Gespräche mit betroffenen Schüler:innen und Eltern; 3 geben Einsatz ein, 1 legt eigene Recherchenotizen vor.
- Tag 10Für 3 Schüler:innen: Neuanfertigung unter Aufsicht; für 1: ursprüngliche Note bleibt bestehen.
Richtig gemacht
- ✓ KI-Detektor NICHT als Beweis, sondern als Verdachtsmoment behandelt.
- ✓ Mündliche Nachprüfung als faires Verfahren — bewertet, was verstanden ist.
- ✓ Individuelle Bewertung des Einzelfalls, keine Kollektivstrafe.
Was besser gewesen wäre
- ✗ Fachschaft hatte vorab keine KI-Nutzungsregel kommuniziert — Grauzone.
- ✗ Ein Kollege wollte alle 4 sofort mit ‚ungenügend‘ bewerten — hätte den Rechtsweg gegen die Schule bedeutet.
Rechtliche Einordnung
- BaySchO § 60 — Täuschungsversuch — Rechtsfolgen von Notenabzug bis Nichtbewertung.
- GSO / RSO / GSO§22 — Ordnungsgemäße Leistungserhebung — persönliche Erbringung.
- UrhG § 60a — Nutzung KI-generierter Texte im Bildungskontext — Kennzeichnungspflicht.
Meldeweg
- Fachlehrkraft → Fachschaft
- Fachschaft → Schulleitung (bei Verdacht)
- Schulleitung → Erziehungsberechtigte (persönliches Gespräch)
Prävention: was wir daraus lernen
- KI-Nutzungsvereinbarung zu Beginn jedes Schuljahres (schriftlich, unterschrieben).
- Prozessorientierte Facharbeit: Zwischenstände, Recherchenotizen, Beratungsgespräche werden bewertet.
- Themenwahl mit individuellem Bezug — schwer KI-generierbar.
Quellen