Alle Fälle
Cybermobbing · Sek II (11–13) · Mittlere Priorität

Klassenchat-Shitstorm gegen die neue Referendarin

Eine junge Referendarin wird in einem inoffiziellen Klassenchat verspottet. Sprachnachrichten, Memes, Fotos ihrer Schuhe. Sie erfährt es nach drei Wochen zufällig.

Chronologie

  1. Woche 1-3
    Eskalation im Chat, keine Lehrkraft weiß davon.
  2. Tag 0
    Referendarin erfährt es durch anonymen Screenshot im Postfach.
  3. Tag 0
    Reaktion: Alleingang mit einzelnen Schüler:innen — verschärft die Situation.
  4. Tag 3
    Seminarlehrkraft wird eingeschaltet, gemeinsam mit Schulleitung Vorgehen abgestimmt.
  5. Tag 4
    Klassengespräch mit externer Moderation (Beratungslehrkraft), Wiedergutmachung erarbeitet.
  6. Tag 10
    Zwei Rädelsführer erhalten Verweis, Rest schriftliche Entschuldigung + Sozialstunden.
Richtig gemacht
  • Seminarlehrkraft und Schulleitung frühzeitig eingebunden.
  • Externe Moderation im Klassengespräch — nimmt Referendarin aus der ‚Richter‘-Rolle.
  • Ordnungsmaßnahmen mit pädagogischem Anteil (Sozialstunden statt reiner Strafe).
Was besser gewesen wäre
  • 3 Wochen Nicht-Handeln durch die Klasse — niemand fühlte sich zuständig.
  • Erster Alleingang der Referendarin verschärfte die Fronten.
Rechtliche Einordnung
  • StGB §§ 185, 186Beleidigung und üble Nachrede.
  • BayEUG Art. 86Ordnungsmaßnahmen bei Beeinträchtigung des Schulbetriebs.
  • GG Art. 5Meinungsfreiheit endet an persönlichkeitsverletzenden Äußerungen.
Meldeweg
  1. Referendarin → Seminarlehrkraft & Schulleitung
  2. Schulleitung → Klassenleitung → Klassenelternabend
  3. Bei strafrechtlich relevanten Inhalten: Anzeige durch Betroffene

Prävention: was wir daraus lernen

  • Klassenchat-Charta zu Schuljahresbeginn (mit Klasse gemeinsam erarbeitet, unterschrieben).
  • ‚Fair Play‘ als Note-6-Regel: Beleidigung führt zu Ausschluss aus dem Chat.
  • Regelmäßiges anonymes Klassenklima-Barometer (2x pro Jahr).
Quellen
Zur Startseite